MUT PROBEN Karten 2007

Die folgenden drei Geschichten gab es 2007 auf Klappkarten. Die Klappkarten 2008 können auf dieser Seite HIER bestellt werden.

 

 

 

Immer sind die Busfahrer an allem Schuld


 

Der Bus kommt. Er fährt über den Bordstein, ein junger Mann muss zur Seite springen. Er sagt zum Fahrer: „Das ist aber knapp gewesen." Der Fahrer läuft rot an: „Halten Sie die Klappe."

Ich sage: „Ich fand die Situation auch gefährlich." Der Busfahrer fängt an zu schreien: „Ja, ja, immer sind die Busfahrer an allem schuld."

Ich horche auf und frage ihn: „Haben Sie heute schon viel Ärger abgekriegt?" Der Fahrer antwortet: „Scheiße, ja! Den ganzen Tag war Stau, der Bus kam zu spät, unsere Einsatzleitung macht uns Druck, und dann soll ich alle Situationen richtig einschätzen, Mensch! Ich kann ja verstehen, dass der junge Mann sich bedroht gefühlt hat, und es tut mir leid, aber das ist einfach eine beschissene Fahrt heute!"

In diesem Moment ändert sich etwas. Der junge Mann scheint die versteckte Entschuldigung zu hören. Er verzichtet auf eine weitere Beleidigung, murmelt „okay, okay" und geht nach hinten durch.

erlebt von Viola Engels

 

 

Die Mütze ist von Harry. Und jetzt sind wir quitt.


 

Ich war schon damals HSV-Fan und ging alle zwei Wochen ins Stadion. In voller Montur: mit Trikot, Mütze, Schal. Plötzlich war ich umzingelt von Rostocker Fans mit tätowierten Oberarmen. Einer kam auf mich zu und stieß mich an: „Scheiß HSV, ey." Er riss mir die Mütze vom Kopf und schubste mich wieder: „Scheiß HSV, ey." Ich hatte totalen Schiss und wünschte mir, dass der Erdboden aufginge. Schon schubste er mich zum dritten Mal: „Scheiß HSV, ey."

Ich nahm allen Mut beisammen und zeigte Gesicht: „Der HSV ist nicht Scheiße. Pass auf, du hast jetzt meine Mütze. Die Mütze ist von Harry. Die kannst du behalten als Andenken. Und jetzt sind wir quitt, okay?"

Ich dachte, jetzt krieg ich so richtig auf die Fresse. Aber wie durch ein Wunder öffnete sich der Ring. Die Rostocker nahmen meine Mütze mit und ließen mich am Leben.

erlebt von Harald Schroeter-Wittke

 

 

 

Und ich, soll ich auch hier weg?


 

Mist, 20 Minuten auf den Bus warten! Neben mir unterhalten sich zwei ältere Damen. Eigentlich will ich gar nicht hinhören, aber dann höre ich doch hin.

Sie lästern: „Meine Güte, in diesem Land sind einfach zu viele Ausländer! Die machen nur Arbeit und kosten unser Geld!"

So geht das eine Weile. Dann raffe ich mich auf, mit meinen elf Jahren, und gehe zu den Damen. „Hallo, ich habe ihr Gespräch gehört. Ich hab da eine andere Meinung! Ausländer sind auch Menschen, und sie sind nicht ohne Grund hier! Würden Sie mir ins Gesicht sagen, dass ich hier weg soll, weil ich eine Halbtürkin bin? Ich bin nämlich zur Hälfte türkisch, und mit dem Herzen bin ich es sowieso!"

Die beiden Damen schauen mich irritiert an. Eine der beiden meint, bei mir sei das ja was anderes. Sie sei schon in der Türkei gewesen, das wären sehr gastfreundliche Menschen. Ich frage sie: „Und was ist dann anders?"

Nach einem längeren Gespräch habe ich die eine Frau überzeugt. Die andere habe ich zur Weißglut gebracht. Als der Bus kommt, bin ich stolz auf mich. Die Überzeugte unterhält sich weiter mit mir. Die andere setzt sich mit versteinerter Miene weit weg von uns.

erlebt von Sinem Löbe

 

 

 

 

 

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